Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Esslingen

Grüne zur Landtagswahl

Hier die Antworten der Esslinger Landtags-Kandidatin Andrea Lindlohr von Bündnis90/die Grünen:

1. Hoffentlich bleibt Ihnen trotz der Wahl gelegentlich Zeit, Rad zu fahren. Mit was für einem Fahrrad sind Sie unterwegs?
Im Wahlkreis und privat bin ich überwiegend mit dem ÖPNV und zu Fuß unterwegs. Denn meine Wege sind entweder ganz kurz, da ich zentral wohne, oder steil. Tatsächlich habe ich bisher kein E-Bike.

2. Das Radverkehrskonzept des Landkreises wurde 2016 beschlossen, 2023 wurde die Fortschreibung erstellt und beschlossen. Darin kann man lesen, dass im Jahr 2023 25%umgesetzt oder im Bau waren. Offenbar sind Landkreis, Kommunen und die grösseren Städte (auch Land und Bund) kompliziert zuständig.
Finden Sie einen schnelleren Ausbau wünschenswert und machbar und was würden Sie ggf. dafür unternehmen wollen?

Die Umsetzung des Radverkehrskonzepts des Landkreis Esslingen dauert seit vielen Jahren länger wir uns das alle wünschen, und die Gründe hierfür sind vielfältig. Ein Grund ist, wie Sie richtigerweise sagen, dass ein Radverkehrskonzept eine komplexe, vielschichtige Planung ist, die mit vielen Akteuren wieLand und Kreis und auch mit den einzelnen Kommunen und Nachbarkreisen abgestimmt werden muss. 

Das Land fördert den Ausbau der Radwegeinfrastruktur mit erheblichen Mitteln durch das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG). Kommunen können für Vorhaben zur Verbesserung der Radwegeinfrastruktur attraktive Fördersätze von 50 Prozent, bei besonders klimafreundlichen Vorhaben bis zu 75 Prozent erhalten. Seit 2021 unterstützt auch der Bund über das Sonderprogramm Stadt und Land den Ausbau der kommunalen Radinfrastruktur. Bei kombinierter Förderung können Fördersätze von bis zu 90 Prozent erreicht werden. Darüber hinaus existieren Förderprogramme wie das Förderprogramm Rad- und Fußverkehr (LGVFG-RuF). Die Landesregierung arbeitet zudem eng mit der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK-BW), auch im Wahlkreis Esslingen, zusammen, um eine neue Radkultur zu etablieren und den Ausbau voranzutreiben. 

Ich persönlich wünsche mir klar einen deutlich schnelleren Ausbau des Radwegenetztes. Deshalb haben wir unter anderem die – von anderen Parteien in Frage gestellten – Mobilitätsmanager etabliert mit dem Ziel, die verantwortlichen Akteure besser zu vernetzten, die Akzeptanz für den Ausbau der Radinfrastruktur in der Bevölkerung zu erhöhen und die Planungs- und Realisierungsprozesse vor Ort schneller und effizienter zu machen. Ich setzte mich unter anderem dafür ein, die förderrechtlichen und bürokratischen Anforderungen einfacher zu gestalten, um die Umsetzung der Planungs- und Bauprozesse zu beschleunigen. 

3. Welchen zurückliegenden Landtagsbeschluss mit Bezug zum Radverkehr fanden Sie gut?
Das Landesmobilitätsgesetz (LMG), das vom Landtag am 12.März 2025 beschlossen wurde und am 29. März 2025 in Kraft trat.
Das Landesmobilitätsgesetz setzt einen Rahmen für eine nachhaltige Mobilität mit Schwerpunkt auf klimafreundlichen Verkehrsmitteln und Radverkehr. § 5 enthält besondere Regelungen zur Koordination der Radverkehrsnetze. So sollen Stadt- und Landkreise Koordinator*innen für Radverkehrsnetze bestellen, um Ausbau und Erhalt der Infrastruktur zu verbessern. Diese Stellen helfen beispielsweise bei der Planung, Förderung und verkehrsträgerübergreifenden Abstimmung. Damit schafft das Gesetz eine verlässliche rechtliche Grundlage für den systematischen, netzübergreifenden Ausbau von Radverkehrsinfrastruktur. 

4. Beim Radschnellweg im Neckartal geht's nicht wirklich voran. Wie sehen Sie so eine Infrastrukturinvestition, wie wird es mit einer Landesregierung unter Beteiligung Ihrer Partei damit weitergehen?
Ziel der Landesregierung ist es, bis zum Jahr 2030 mindestens 20 Radschnellwege zu realisieren. Als eines der drei Pilotprojekte in Baden-Württemberg befindet sich im Landkreis Esslingen der RS 4 Esslingen – Ebersbach in konkreter Planung. Ein erster Teilabschnitt zwischen Reichenbach und Ebersbach konnte im Jahr 2021 für den Verkehr freigegeben werden. Bis 2030 soll die gesamte Radschnellverbindung von Reichenbach bis Stuttgart befahrbar sein.

Ich stehe weiter hinter dem weiteren Ausbau der geplanten Radschnellweg-Infrastruktur im Land wie des Radschnellwegs RS4 im Neckartal. Aktuell liegen die weiteren Planungen zur Streckenführung in der Abstimmung zwischen Regierungspräsidium Stuttgart und Stadt Esslingen bei der Stadt Esslingen. 

5. Nicht nur Stadt und Kreis Esslingen haben Finanzierungsprobleme, auch beim Land müssen wir damit rechnen.
Inwiefern werden Radverkehrsanlagen im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln künftig finanzierbar sein?
Finanzierbar muss am Ende die Summe aller finanzwirksamen politischen Beschlüsse sein. Für die einzelnen Vorhaben kommt es darauf an, wie sie politisch priorisiert werden. Und dabei sind mir kluge Investitionen in unsere Radinfrastruktur sehr wichtig. Denn damit erreichen wir im Verhältnis zum Mitteleinsatz richtig viel Gutes. Denn eine gute Radinfrastruktur ist nicht nur umweltfreundlich. Sie ist auch Teilhabe an Mobilität. Weg von Rad fahren im Ballungsraum nur für die „Harten“, die sich in den Autoverkehr stürzen, hin zu Rad fahren für alle, die das wollen – das ist mein Ziel.

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